Das Festival kam langsam aber sicher zum Ende. Aber nicht, bevor Rage gespielt hatte. Im Vergleich zu den anderen Bands des Tages schon ein ganz anderes Kaliber. Seit mittlerweile 40 Jahren tourt Rage über die Bühnen dieser Welt und machte an diesem Tag den Laden zu. Die Besatzung hatte immer wieder mal gewechselt, nur Peter "Peavy" Wagner bildete die einzige Konstante. Ihm zur Seite standen heute Abend sein Gitarrist Jean Bormann und Schlagzeuger Vassilios "Lucky" Maniatopoulos.
Bei Scalptures versammelte sich die größte Menge des Tages vor der Bühne um dem Auftritt der fünf Bielefelder beizuwohnen. Die ließen sich nicht lange bitten und legten direkt wie die Feuerwehr mit "The Fall..." aus ihrem aktuellen Album "Landkrieg" los. Auch hier war wieder Death Metal Programm, wenngleich in etwas anderer Ausprägung als bei den bisherigen Genrevertretern. Zusätzlich machte sich die unbändige Energie positiv bemerkbar, mit der sie permanent über die Bühne wirbelten.
Nach den Musikern von Symbtomy hatten Kozoria die zweit-weiteste Anreise. Die Klänge blieben hart, aber die Ausrichtung änderte sich. Die vier Jungs aus Frankreich brachten wieder melodischere Riffs und zwischenzeitlichen Klargesang zurück auf die Bühne. Das ganze gepaart mit einigen Synthie Einspielern ergab eine wirklich leckere Mischung, die auch das Publikum nicht kalt ließ. Ich empfand es als eine Mischung aus Gojira gepaart mit Anleihen bei Children Of Bodom.
Ein weiterer Death Metal Vertreter war nun an der Reihe und auch er kam aus den Niederlanden. Auf Einladung von Necrotesque waren bereits Rotting Demise und Symbtomy zuvor aufgetreten und nun war es an den Einladenden selbst zu zeigen, was sie drauf hatten. Im Vergleich zu den bisherigen Bands können sie auf die kürzeste Bandgeschichte zurück blicken. Erst 2021 hatten sich die vier Niederländer zusammengefunden, aber bis heute schon einen Longplayer und mehrere EPs rausgebracht.
Symbtomy hatten an diesem Tag wohl eine der längsten Anreisen. Die Tschechen lasen sich von der Ankündigung her sehr spannend. Doch zunächst mussten sie sich in Geduld üben, denn technische Probleme verhinderten einen pünktlichen Beginn ihres Auftritts. Erst mit 15 Minuten Verspätung ging es dann los. Auch sie waren wie zuvor Rotting Demise auf Einladung der nach ihnen spielenden Band Necrotesque auf dem Grafschafter Metalfest und brachten, wie sie es selbst sagten, Old School Death Metal auf die Bühne.
Der schlecht zu lesende Schriftzug verkündete es schon: Jetzt wird es düster. Rotting Demise zogen alle Register des klassischen Black und Death Meatal im Stile von Behemoth und Cradle Of Filth. Mit Corpse Paint, Mönchskutten, umgedrehten Kreuzen und einem Pentagram boten die Jungs aus dem Ruhrpott auch mal was fürs Auge. Zwei Longplayer hatten sie in ihrer 8-jährigen Karriere bereits herausgebracht und zeigten eine wirklich spannende Mischung von langsamen, leicht doomigen Nummern bis hin zu schnellern, aggressiveren Songs.
Nach den drückenden Klangwellen von Abrupt Demise sollte es wieder melodischer werden. Als nächstes folgten Chiffre, die erst auf eine recht kurze Bandgeschichte zurück blicken können. 2018 in Osnabrück gegründet haben sie erst ein Album und mehrere Singles am Start. Trotzdem wirkte der Auftritt, als würden sie schon deutlich länger zusammen Musik machen. Der musikalische Stil ist eine Mischung aus Metalcore, der mit Synthies aus den 80ern und leicht poppigen Anleihen angereichert wurde.
Vom recht melodischen Metalcore ging es nach kurzer Umbaupause weiter mit klassischem Death Metal von Abrupt Demise aus den Niederlanden. Die fünf Jungs hatten sich 2010 zusammen getan und bislang einige EPs und ein Album veröffentlicht. Sänger René Brugmans brauchte nicht viel Anlauf und schleuderte einem seine Growls entgegen genau so, wie die Musik der anderen Jungs, die einen direkt überrollte.
Heute gab es für mich eine Premiere: Das Grafschafter Metalfest fand am 14.03.2026 bereits zum dritten Mal statt und den Reigen der Bands eröffnete die Lingener Metalcore Band A Place To Fall. Die Jungs haben seit ihrer Gründung 2013 bereits einiges an Stil- und personellen Wechseln durch. Mittlerweile hat man sich im Metalcore eingerichtet und zwei Alben rausgebracht ("Resilience" aus dem Jahr 2022 und "Lost Myself" aus der Anfangszeit aus 2016).
