22.06.2025 Lindemann
Graspop Metal Meeting
Dessel (Belgien)
(Canon PowerShot G7 X Mark II)
Das Graspop Metal Meeting 2025 war auf der Zielgeraden. Nur noch ein Act stand an und das war für mich persönlich der am meisten kontroverse. Keinem geringeren als Till Lindemann mit seiner Band stand es zu, den vierten Tag und damit das diesjährige Festival abzuschließen. Vor der Bühne war es wieder erwarten noch extrem voll. Die South Stage konnte ich nicht gut einsehen, aber auch dort waren nach Judas Priest noch viele stehen geblieben.
Punkt 23:45 war es dann soweit und die ersten Klänge von „Zunge“ schallten über den Acker. Konnte man während des Songs im Hintergrund sehen, wie Lindemann langsam der Mund zugenäht wird, so waren viele Teile seiner weiteren Videoshow mit der Einblendung „Zensiert“ überdeckt. Das war halt das Zugeständnis an die Veranstalter, welches eingegangen werden musste. Normalerweise sind seine Shows 18+, was aber auf dem Graspop nicht sicher gestellt werden konnte. Dennoch gab es noch genug anderweitige Interaktion der Band mit dem Publikum was sich wirklich hartgesotten zeigen musste. Lindemann arbeitete sich durch alle erdenklichen menschlichen Abgründe und untermalte dies durch verschiedenste Sachen. So durften sich die vorderen Reihen des Publikums beim Song „Golden Shower“ über eine Dusche freuen (hoffen wir, dass es nur Wasser war). Wer hungrig war, dem konnte bei „Allesfresser“ geholfen werden. Lindemann und seine Mitmusiker feuerten munter eine Torte nach der anderen ins Publikum. Es gab kaum Zeit Luft zu holen weder für die Musiker, noch für die Zuschauer, noch für Lindemanns Bühnenmitarbeiter. Denn geregelt warf er Wasserflaschen ins Publikum oder sein Mikrophon über die Bühne, so dass jemand ganz in schwarz gekleidet mit Totenkopfmaske und schwarzem Stahlhelm die Sachen wieder in Ordnung bringen musste. Dieser tat mir fast schon leid, da er wirklich einen arbeitsreichen Abend hatte.
Auch wenn es die Kontroversen um Lindemann und die Row Zero Mädchen gab, so ließ er es sich bei der ironischen Nummer „Platz Eins“ nicht nehmen durch den Mittelgang zu ziehen und mit der dort postierten Security sowie den vorwiegend weiblichen Personen an den Wellenbrechern in direkten Kontakt zu treten. Im Anschluss dachte Lindemann sich, dass die Menge immer noch hungrig aussah und so wurden zunächst nur händisch Fische in die ersten Reihen gefeuert, bis man sich für die zweite Hälfte von „Fish On“ einer Kanone bediente um auch die Menschen weiter hinten zu erreichen. Natürlich wurden die Fische noch eine ganze Zeit weiter von einzelnen im Publikum durch die Gegend geworfen. Ab dieser Nummer wurde es dann etwas ruhiger.
Das Set setzte sich aus Nummern von Lindemanns Soloalbum „Zunge“ zusammen und wurde ergänzt mit Songs aus seiner Zusammenarbeit mit Peter Tätgren, die aber mittlerweile beendet wurde. Daher bewegen sich die Songs musikalisch leicht auf Rammstein Niveau, wenn auch als Versgleich die Songs der etwas schrägeren Sorte Rammsteins betrachtet werden müssen. Ansonsten hatten sie durch Pain Mastermind Tätgren zusätzlich eine leichten Einschlag in dessen Richtung. Insgesamt war es aber eher ein Einheitsbrei, der sich nicht sonderlich unterschied und auch die Texte musste man definitiv nicht ernst nehmen. Mit „Ich Hasse Kinder“ wurde am Ende noch mal ein klares Statement gesetzt bevor dann unter den Klängen von „Home Sweet Home“ das Abschlussfeuerwerk gezündet wurde und die 2025er Ausgabe des Graspop Metal Meetings endgültig Geschichte war.
Ich habe mich schon während des Auftritts gefragt, was das sein sollte. Die Zensureinblendungen der Videoshow wird viele vielleicht sogar eher neugierig gemacht haben sich den vollwertigen Auftritt zu geben. Von daher vielleicht sogar eine ungewollt clevere Entscheidung der Veranstalter gewesen. Textlich bewegte sich das ganze aber definitiv auf Niveaulimbo Level. Kein Text konnte so peinlich sein, dass der nächste Song nicht noch locker drunter her ging. Musikalisch war es wie schon geschrieben eher ein Einheitsbrei ohne wirklich klare Highlights, so dass sich der ganze Hype um die Show wirklich nur durch die permanenten und sehr offensichtlichen Provokationen aufbaute. Kurz vor Ende des Auftritts fragte ich mich selbst, ob Lindemann nicht manchmal zu Hause sitzt und sich über sein Publikum kaputt lacht. Denn es gehören ja immer zwei dazu: Einen, der das ganze veranstaltet, aber dann auch den der kommt und sogar mitmacht. Somit habe ich für mich die Entscheidung getroffen: Einmal und nie wieder. Ist Rammstein auch nicht wirklich anspruchsvoll, so sind die Bühnenshows legendär und beeindruckend. Lindemann Solo wirkt da eher wie die 18+ Persiflage darauf, die mit billigsten und ekligsten Mitteln permanent nur provozieren möchte.
Sei es wie es sei. Auch wenn es den absoluten Tiefpunkt leider zum Abschluss gab, so muss ich insgesamt doch sehr positiv Bilanz ziehen. Da waren in den immerhin vier Tagen doch etliche Highlights dabei wie z. B. Iron Maiden, Opeth und viele andere. Es war temperaturbedingt teilweise sehr anstrengend und nach Lindemann war ich auch einerseits froh, dass es vorbei war. Aber dennoch überwiegt die Freude und Zufriedenheit Teil einer großen Metalparty gewesen zu sein, die vollständig entspannt daher kam, wie ich es in den Beneluxländern immer wieder erlebe und warum ich auch so gerne dort auf Konzerte und Festivals gehe. Im kommenden Jahr werden wir uns allerdings definitiv nicht wieder sehen, da ich mich mal wieder auf kleinere und neue Festivals stürzen möchte. Dennoch kann ich generell das Graspop Metal Meeting nur jedem empfehlen. Tolle Bands, super Organisation, die Stages sind auch sehr gut und schnell zu wechseln und das zu einem durchaus fairen Kurs (auch wenn die Verpflegung vor Ort für deutsche Verhältnisse echt kostspielig ist).
Setlist:
- Zunge
- Schweiss
- Fat
- Golden Shower
- Sport Frei
- Blut
- Allesfresser
- Praise Abort
- Platz Eins
- Fish On
- Du Hast Kein Herz
- Skills In Pills
- Ich Hasse Kinder
- Home Sweet Home
Weblinks:
| Till Lindemann Homepage der deutschen Band Till Lindemann. | |
| Graspop Metal Meeeting Homepage des Graspop Metal Meeting Festivals in Dessel (Belgien). |































