15.06.2023 Guns N' Roses
Graspop Metal Meeting
Dessel (Belgien)
(Canon PowerShot G7 X Mark II)
Von den Schwedenrockern von Ghost rüber zu den amerikanischen Hardrockern von Guns N' Roses, die mittlerweile auch auf eine 40jährige Bandgeschichte mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen zurück blicken können. Es war vor der Bühne gut gefüllt und alles wartete auf den Beginn des Auftritts. Aber die älteren Herren ließen zunächst etwas auf sich warten. Mit 5 Minuten Verspätung begann dann ein drei Stunden dauernder Ritt durch alle bisher erschienenen Alben. Nach dem Intro vom Band und als alle Bandmitglieder auf ihren Plätzen waren begann mit "It's So Easy" vom 1987er Erstling "Appetite For Destruction" ein auf und ab der Gefühle.
Slash spielte sich gewohnt überragend durch die einzelnen Stücke und man hatte das Gefühl, dass die Zeit an ihm am spurlosesten vorüber gezogen war. Begleitet von Bassist Duff McKagan der immer wieder zusätzlich die Backing Vocals übernahm und Dizzy Reed am Keyboard und den Percussions bildete dies den älteren Stamm der Band. Ergänzt wurde die Truppe um Richard Fortus an der Rhythmusgitarre, Melissa Reed am Keyboard sowie Isaac Carpenter am Schlagzeug. Ja, und dann war da noch die Stimme der Band, wobei diese am schlechtesten gealtert war. Axl Rose hatte sichtlich zugelegt, so dass man merkte, wie sehr ihn die Sprints über die Bühne anstrengten. Trotzdem konnte er nicht davon lassen, so dass McKagan und auch Slash ihm immer wieder mit ausgedehnteren Solos die Zeit gaben wieder Luft zu holen. Auch war es für ihn deutlich schwieriger geworden die hohen Passagen sowie die Kopfstimmen-Teile zu singen. Manchmal wäre es dann besser gewesen die Teile etwas tiefer zu singen.
Vom ältesten Album hangelte man sich direkt rüber zum letzten Album "Chinese Democracy" (immerhin auch schon 2008 erschienen) und brachte daraus den gleichnamigen Titeltrack. Man hangelte sich so durch einige unbedeutendere aber nicht unbedingt schlechte Stücke der einzelnen Alben und nahm auch etliche Coverversionen mit in die Setlist rein, wie zum Beispiel "Walk All Over You" von AC/DC welches sogar seine Tourpremiere auf dem Acker von Dessel feierte. Oder das dann schon bekanntere Wings Cover und Bond Theme "Live And Let Die". Alles wartete seit langem bereits auf ein neues Album der Band seit ihrer Reunion 2016, aber bis auf die EP "Hard School" aus 2022 von der es die beiden Stücke "Hard School" und "Absurd" gab war da leider bislang nichts am Horizont zu erblicken. Die Menge sang bei den bekannteren Stücken lauthals mit und jedes Solo wurde ebenso bejubelt. Ansonsten hielt die Band sich Showtechnisch eher im einfachen Bereich auf. Außer Videos die passend zu den Songs waren gab es nichts. Guns 'N Roses wollte die Songs im Vordergrund stehen lassen, was ihnen so auch gelang. Zur Mitte des Sets erhielt Axl Rose eine weitere Erholungspause als Duff McKagan das Mikro für "T.V. Eye" übernahm und wirklich sehr solide ablieferte. Bemerkenswert war eigentlich danach nur noch ein wirklich politisches Statement, als man im Hintergrundvideo zum Song "Civil War" die ukrainische Flagge erscheinen ließ. Das darauf folgende Solo von Slash zeigte dann einmal mehr warum er vollkommen zurecht als einer der, wenn nicht sogar der beste Gitarrist dieses Planeten gilt. Das machte einfach nur Spaß diesem Musikgefühl und seiner Fingerfertigkeit zuschauen zu dürfen.
Dies schien dann auch der Opener zum furiosen Finale zu werden, wo die wirklich absoluten Überhits der Band Schlag auf Schlag folgten. Den Anfang machte "Sweet Child O' Mine" welches dann in das hymnische "November Rain" vom erfolgreichen Album "Use Your Illusion I" überging. Das brachte die Menge vor der Bühne noch einmal richtig zum kochen und auch auf dieser drehte man noch mal etwas höher. Spätestens beim Bob Dylan Cover "Knockin' On Heavens Door" hatte sich der größte Chor dieses Wochenendes zusammengefunden um Guns N' Roses lautstark zu unterstützen. Nach "Nighttrain" passend zur Uhrzeit ging es dann kurz von der Bühne um anschließend mit "Patience" eher gemächlich zum krönenden Abschluss hinzuleiten: "Paradise City". Diese Hymne wurde wahrlich nochmal von allen in epischer Breite zelebriert bevor man dann final die Bühne verließ.
Ich hatte mich sehr auf Guns N' Roses gefreut und bereits im Vorfeld einiges gelesen zur Form der Band. Leider Gottes bestätigte sich vieles davon. Axl Rose ist ein Schatten seiner selbst und seine Stimme hat seine besten Zeiten lange hinter sich. Dazu dann das widersinnige Verhalten permanent auf der Bühne herumzurennen um Jugend und Dynamik auszustrahlen, wobei mich dann meine Mitmusiker retten müssen da ich keine Luft mehr habe um singen zu können. Duff und Slash konnten wirklich überzeugen und insbesondere der Zauberer an den Gitarrenseiten wirkte als wäre er in der Zeit stehen geblieben. Das machte vieles wieder gut. Beeindruckt war ich zunächst auch vom 3 Stunden Slot. Allerdings bereute ich das auch sehr bald, denn die Band packte sehr viel Belangloses und Unbekanntes ins Set, so dass ein komprimiertes 2 Stunden Set mit weniger Füllmaterial wohl weit mehr überzeugt hätte. Aber hätte, hätte, Fahrradkette: Die Band spielt ihre Konzerte weiterhin so und lockt damit auch immer noch sehr viele zu ihren Shows. Gleichwohl ich sagen muss, dass dies die einzige Band und vor allem Headliner war, bei dem ich erleben durfte, dass von Minute zu Minute ihres Auftritts der Platz vor der Bühne leerer wurde. Dankenswerter Weise gab es noch Bands die Parallel spielten, so dass man sich das Trauerspiel welches es über manche Strecken war nicht bis zum Ende antun musste. Somit bleibt für mich das Fazit: Klasse, dass ich die wirklich ikonischen Titel einmal live hören durfte. Noch toller, dass ich Slash live bei der Arbeit bewundern durfte. Aber alles andere ist etwas, über das man den Mantel des Schweigens ausbreiten sollte. Ich kann Guns N' Roses live zu dieser Zeit wirklich nur noch absoluten Megafans die über all die Unzulänglichkeiten hinwegsehen dürften empfehlen. Allen anderen würde ich raten einen weiten Bogen um die Liveauftritte zu machen und sich die Band noch einmal von LP, CD oder vielleicht sogar Musikkassette anzuhören. Das ist deutlich lohnenswerter.
Setlist:
- Intro
- It's So Easy
- Bad Obsession
- Chinese Democracy
- Slither (Velvet Revolver Cover)
- Reckless Life
- Walk All Over You (AC/DC Cover)
- Welcome To The Jungle
- Estranged
- Double Talkin' Jive
- Hard Skool
- Pretty Tied Up
- Live And Let Die (Wings Cover)
- Down On The Farm (UK Subs Cover)
- You Could Be Mine
- T.V. Eye (The Stooges Cover with Dull McKagan On Lead Vocals)
- Anything Goes
- Absurd
- Rocket Queen
- This I Love
- Civil War (Followed By Band Intros and Jimi Hendrix's "Voodoo Child" Outro)
- Slash Guitar Solo
- Sweet Child O' Mine
- November Rain
- Locomotive
- Knockin'On Heaven's Door (Bob Dylan Cover)
- Nighttrain
Encore:
- Patience
- Paradise City
Weblinks:
| Guns N' Roses Homepage der US amerikanischen Band Guns N' Roses. | |
| Graspop Metal Meeeting Homepage des Graspop Metal Meeting Festivals in Dessel (Belgien). |


























