Nach folkigen Klängen mit dArtagnan ging es rüber zur Club Stage um einem echten Kontrast hierzu beizuwohnen. Das Ich stand auf dem Programm, ein Urgestein der schwarzen Szene, welches bereits 1989 gegründet wurde und seitdem im Kern mit Stefan Ackermann und Bruno Kramm unverändert besteht. Unterstützt werden sie live von zwei weiteren Keyboardern. Sehr lustig die Idee die Synthesizer auf kleine Rolltische zu montieren mit denen die Musiker dann munter über die Bühne tingelten und immer wieder um Sänger Ackermann herumtanzten. Dieser machte auch selbst mit seinen abgehackten Tänzen munter mit, schnitt Grimmassen und feixte mit dem Publikum. Auch die Ansagen zwischendurch hatten was amüsantes, wenn er zum Beispiel eingestehen musste, dass er bem Song „Engel“ gelogen habe, da im Publikum so viele hübsche Engel seien.
Sonntagmorgen und die Sonne lachte wieder über dem Festivalgelände. Daher ließ ich es auch etwas ruhiger angehen, da es wieder sehr warm werden sollte und begann den Abschluss Tag mit den folkig rockigen Klängen der Nürnberger Band dArtagnan. Die hatten erst vor kurzem ihr neues Album „Herzblut“ herausgebracht, begannen aber zunächst mit „Freiheit & Tod“ aus dem 2022er Album „Felsenfest“. Dabei ging es direkt richtig zur Sache. Sehr enthusiastisch wechselte Sänger Ben Metzner immer wieder zwischen Gesang und Dudelsack hin und her, sprang und wirbelte wie ein Derwisch über die Bühne, dabei umrahmt immer wieder von Feuersäulen.
Da ich überraschenderweise länger als ursprünglich geplant die grandiose Show von London After Midnight bewundert hatte war ich zunächst erst zum „Fürst Der Finsternis“ vor der Main Stage eingetroffen. Daher war mir der erste Auftritt des Berliner a cappella Chors von Stimmgewalt entgangen. Man kann halt nicht alles haben.
Kurzentschlossen bin ich dann doch auf der Club Stage geblieben, obwohl mir ASP auch auf jeden Fall noch ansehen wollte. London After Midnight mussten ihren Auftritt im letzten Jahr kurzfristig absagen und durften ihn nun nachholen. Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, als auch direkt die Videowände im Hintergrund mit Werbung für das neue Album bespielt wurde und das ganze dann nahtlos in den ersten Song „Hot Stuff“ überging.
Nachdem bislang der Tag ausschließlich auf der Main Stage stattgefunden hatte und von Gitarrensounds geprägt war ging es nun zum ersten Mal auf die kleinere Club Stage um dort den harten elektronischen Klängen von Suicide Commando zu lauschen. Der Belgier ist umringt von seiner Live-Verstärkung und bellt seine Songs mit der typischen Dalek-Stimme dem Publikum entgegen.
Nach Hämatom gab es eine kurze Essenpause um gestärkt in den zweiten Teil des Tages zu gehen. Dieser sollte mit Saltatio Mortis beginnen, die in diesem Jahr ihr neues Album „Finsterwacht“ herausgebracht haben. Von diesem gab es dann auch als Opener den gleichnamigen Titeltrack. Die Hitze des Tages legte sich langsam etwas, aber um nicht abzukühlen drehten die Jungs umso mehr auf. Von Anfang an hatten sie das Publikum voll im Griff und es herrschte eine ausgelassene Stimmung auf und vor der Bühne.
Die zweite Band, auf die ich mit Spannung gewartet hatte. Leider war Bassist Peter „West“ Haag im Jahr 2023 nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Die Band hatte ihm zunächst mit dem West Fest gedacht und 2024 dann bekannt gegeben, dass sowohl sein Name West als auch sein Instrument Bass nicht neu besetzt werden würden. Stattdessen wurde eine neue Gitarristin Annika „Rose“ Jaschke als Verstärkung der Band präsentiert. Doch bevor sie ihren Auftritt starten konnten, ging zunächst einiges schief.
Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass Oomph! und Dero Goi getrennte Wege gingen. Nachdem Andreas Crap und Robert Flux zunächst allein weiter komponierten stieß nach einiger Zeit Der Schulz als neuer Sänger hinzu. 2023 erschien dann das erste Album in der neuen Konstellation „Richter Und Henker“. Aus diesem gab es als Opener „Soll Das Liebe Sein?“ und die Band betrat in Pelzmänteln gekleidet die Bühne. Mutig, denn die Sonne brannte und es war drückend heiß.
Während des Auftritts von Schwarzer Engel stand Alexx Wesselsky neben mir und schaute sich die Show an. Dabei war es gut zu sehen, dass er sich von seinem Eingriff nach einem Darmdurchbruch Anfang Juni wieder erholt hatte. Die Herren Wesselsky spielen normalerweise alte oder wenig gespielte Songs von Megaherz und Eisbrecher gepaart auch mit Cover-Versionen. Heute sollten alte Megaherz Klassiker auf dem Programm stehen.
Freitagmittag als einer der ersten Künstler der 2024er Ausgabe vom M’era Luna Festival darf Dave Jason alias Schwarzer Engel die nicht gerade kleine Menge vor der Main Stage begeistern. Ich habe dieses Projekt schon ein paar Jahre verfolgt und auch einige Alben. Also war es nun Zeit sich endlich live von den Fähigkeiten des Sängers zu überzeugen.
